Interview mit Hans Jacob zur Klimaneutralen Apotheke

Hans Jacob, Inhaber von zwei Apotheken in der wunderschönen Pfalz, befindet sich mitten in der Umstellung zur „klimaneutralen Apotheke“ für die Adler-Apotheke in Maxdorf, die im Mai in einen Neubau umgezogen ist. Im Gespräch, das wir für den YouTube-Kanal der NOVENTI | Marke awinta geführt haben, erzählt er mir, was ihn bei der Umstellung bewegt und was er deshalb in seiner Apotheke verändert. Das vollständige, absolut lesenswerte Interview finden Sie unter diesem Link, hier gebe ich nur einige für mich besonders wichtige Auszüge wieder. Ganz am Ende des Beitrags finden Sie dann auch noch den Link zum Video.

Giermann: Mit der Adler-Apotheke in Maxdorf ist Hans Jacob mein persönlicher Stammapotheker. Lieber Hans, die Adler-Apotheke hast Du um- und neugebaut. In diesem Zuge bist Du gerade dran, die Apotheke klimaneutral zu stellen. Was ist Deine persönliche Motivation, dieses Thema anzugehen?

Jacob: Die Grundmotivation kommt sicher aus meinem Engagement bei NOVENTI und awinta. Wir haben das Thema „Klimaneutrale Apotheke“ in der Entstehungsphase des Öfteren diskutiert. Ich sehe das so: Als Apotheke bzw. Gesundheitsbetrieb sollten wir auf die Gesundheit unserer Umwelt, die Zukunft und auch auf die Gesundheit unserer Kinder achten. Wir sollten der Jugend vertretbare Rahmenbedingungen hinterlassen, um die Gesundheit aufrechtzuerhalten. In der Form mit dem Klima weiter zu machen wie bisher ist keine Alternative. Die CO2 Ausstöße werden mittelfristig eine riesige Belastung sein. Das ist für mich der entscheidende Punkt, weshalb ich bei der NOVENTI Aktion „Klimaneutrale Apotheke“ mitmache. […]

Giermann: Wie war die Stimmung [Anm. d. Verfassers: auf der Auftaktveranstaltung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Schirmherrn der Initiative „klimaneutrale Apotheke“ von NOVENTI] in Berlin, was hat man da erlebt?

Jacob: Vor Ort waren Pioniere, die sich sehr viel Gedanken zur klimaneutralen Apotheke machen. Und ich habe davon wirklich profitiert. Man denkt bei „klimaneutral“ im ersten Moment an Strom und Isolierung, doch es geht sehr viel weiter. Auf der Veranstaltung wurde mir ein Ideenpool geliefert über den Ökostrom hinaus. Davon profitiert aktuell auch meine Apotheke, in der ich jetzt einiges umstelle. Z.B. bestellen wir neue, „klimaneutrale“ Kittel, die bestimmte Qualitäten erfüllen müssen. Des Weiteren habe ich auf klimaneutral produziertes Papier umgestellt, mir eine E-Ladesäule machen lassen und nächstes Jahr stelle ich auf ein E-Auto für Botendienste um. Was sonst noch wichtig für mich war: Ich habe bei der Bank eine Photovoltaikanlage durchgesetzt, die mir im Idealfall bis zu 50% Energie in meinem Neubau zuspeisen kann. Auch unsere Kundengeschenke werden klimaneutral gestellt, mit Kulis aus Bambus, Q-Tips aus Holz usw. Darüber hinaus habe ich gelernt, dass man bisherige Verhaltensweisen optimieren kann, z.B. bei Fragen wie: „Wann mache ich Licht an, welches Licht mache ich an?“. Dazu habe ich mich mit meinem Elektriker abgestimmt. Damit Strom nur dann geschalten wird, wenn er benötigt wird und nichts brennen bleibt, schaffen wir eine Automatisierung. Und wenn man erst anfängt, ergeben sich immer wieder neue Themen, in denen man aktiv werden kann und sollte.

Giermann: Wie sehen das denn die MitarbeiterInnen? Ich habe von einer PTA gelesen, die das für MitarbeiterInnen sehr interessant findet. Die wissen, dass hier nachhaltig gearbeitet wird und das ein krisensicherer Arbeitsplatz ist. Was die Nerven schont, wenn man weiß, dass der Chef vorausschauend denkt.

Jacob: Das war auch unser Gefühl. Anfangs war es natürlich ein großer Aufwand und eine Umstellung für die MitarbeiterInnen. Wir sind zum einen in eine neue Apotheke gezogen und haben gleichzeitig auf klimaneutral umgestellt. Da gab es viele Extra-Anforderungen. Die MitarbeiterInnen waren dann aber sehr schnell davon überzeugt und versuchen nun auch aktiv dazu beizutragen. Z.B. wenn wir Proben auswählen oder, wenn Firmen viel Infomaterial zuschicken wollen, bremsen die MitarbeiterInnen aus und sagen, dass wir das nicht wollen. Meine Mitarbeiterinnen sind oft junge Mütter zwischen 30 und 45 und denken natürlich auch an ihre Kinder. Die machen das im Endeffekt aus den gleichen Beweggründen wie ich.

[…]

Giermann: Das Siegel „Klimaneutrale Apotheke“ besitzt Deine Apotheke noch nicht. Gibt es dazu Kundenfeedback, gerade wenn Du Bambuskulis oder Q-Tips aus Holz anbietest?

Jacob: Kundenfeedback gibt es dazu nicht proaktiv. Wir gehen auf die KundInnen zu und kommunizieren die Aktion sowohl mit Flyern als auch mündlich. Der Knackpunkt ist, dass die Ökostrom-Umstellung schwierig ist. Der Vermieter der Apotheke und die Bank haben diesen Punkt anfangs nicht verfolgt. Doch ab nächstes Jahr werden wir Ökostrom beziehen und das Zertifikat erhalten. Ich persönlich finde es gut, dass es solche Hard-Facts gibt wie Ökostrom, die man erfüllen muss, um das Zertifikat zu bekommen. In der zweiten Runde möchte ich einen Austausch zwischen KollegInnen schaffen, die klimaneutral arbeiten. Um mit Hilfe der Gruppe auf eine Art Wissensdatenbank zurückgreifen zu können und z.B. zu erfahren, wo sie Papier oder Kulis herbekommen. Ich denke, man kann von den Erfahrungen der KollegInnen profitieren und muss das Rad nicht neu erfinden. […]

Giermann: […] Das […] Thema ist „absolute“ Klimaneutralität. Man versucht als Apotheker ja möglichst klimaneutral zu werden, doch man ist es nie zu 100 Prozent. Den Rest-Anteil muss man kompensieren. Da gibt es immer wieder den Vorwurf, dass das „Green-Washing“ sei. Da hast Du mir nach Deinem Besuch in Berlin erzählt, warum das nicht so ist.

Jacob: Wenn man auf den passenden Homepages schaut, kommt man sich schon komisch vor. Da schaut man was „Klima-Kompensationsprojekte“ sind. Dann ist da z.B. ein Wasserkocher in Indien oder in Afrika. Da kommt schon die Frage auf, wie man sich damit klimaneutral stellen soll. In Berlin hat diesen Punkt Umweltminister Dr. Gerd Müller sehr schön erklärt: Wenn man sich z.B. die Anzahl der AfrikanerInnen und die Masse an warmen Speisen ansieht, die bis jetzt auf Spritkochern gekocht wurden und, die Kohlendioxid ohne Ende produzieren, dann ist die Summe unter dem Strich riesig. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Einer allein nichts bewirkt, aber die Summe eben doch. Damit kauft man sich irgendwie frei. Doch ich finde es grad gut, wenn man als Deutsche/r ein schlechtes Gewissen bekommt, da wir die Natur mehr strapazieren als Großteile der Welt. Sich mit Zertifikaten klimaneutral zu stellen sehe ich als den ersten Schritt in die richtige Richtung. Außerdem: Die Projekte, die zertifiziert sind, sind vom Bundesumweltamt nachgewiesene Projekte, die dazu beitragen, die CO2-Produktion deutlich zu reduzieren. Da ist es relativ „egal“, welches Projekt man auswählt.

Der zweite Schritt ist es, seine eigenen Lebensgewohnheiten in Frage zu stellen und sich auch da zu entwickeln. Und deswegen sag ich, ein bisschen schlechtes Gewissen zu behalten ist gut, um da weiter zu machen. Es bringt nichts, ein Zertifikat zu kaufen und weiter zu machen wie bisher. Ein Umdenken des Handels ist wirklich wichtig, aber das habe ich auch bei den KollegInnen in Berlin erleben dürfen. Ein Beispiel: dort war ich mit dem Zug, anstatt wie sonst mit dem Auto zu fahren.

Wir dürfen nicht vergessen: Als Apotheker sind wir Gesundheitsberater. Wir versuchen Sachen präventiv zu verkaufen und möchten so Gesundheit erhalten. Da gehört es dazu, an das Klima zu denken. Das passt perfekt in das Apothekenumfeld und es ist auch ein gutes Thema, um mit KundInnen ins Gespräch kommen. Und diese sehen, dass die Apotheke viel breiter aufgestellt ist als nur als Arzneimittelhandel mit Beratung.

Giermann: Da kann man diese heilberufliche Kompetenz sehr gut ausspielen.

Jacobs: […] Meine Grundmotivation ist es, unseren Kindern eine lebenswerte und lebensfähige Welt zu hinterlassen und das im Arbeitsleben aktiv zu verbreiten.

Giermann: Und in dieser Motivation sind wir uns zu 100 Prozent einig. Möchtest Du noch etwas anmerken?

Jacob: Ja, den Apell, dass das Projekt für jede Apotheke offen ist. Man muss keine awinta Apotheke haben oder Abrechner von NOVENTI sein.

Liebe KollegInnen, wagt einfach den Schritt. Meist reicht eine halbe Stunde, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und es sind nur wenige Unterlagen, die dafür bereitgestellt werden müssen. Man macht es nicht für NOVENTI, sondern für das eigene Leben, für die nachfolgende Generation und eine lebenswerte Welt.

Hans Jacob, Apotheker

Lassen auch Sie diesem Apell Taten folgend! Hier ist der Link zur neuen Anmeldeseite der Initiative von NOVENTI. Sie brauchen lediglich Ihre Kontaktdaten zu hinterlegen und bekommen dann per Mail eine leicht verständliche Anleitung, um auch Ihre Apotheke klimaneutral zu stellen: www.zeichen-setzen.com.

Und hier noch der Link zum Video: https://youtu.be/PvYGwgrSdyk