E-Business: ein erster Schritt in Richtung Digitalisierung

Man kann getrost davon ausgehen, dass die Digitalisierung kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern das genaue Gegenteil. Es ist der Beginn einer neue Ära, vergleichbar mit der industriellen Revolution Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Einstige Innovationen wie Dampfmaschine, Eisenbahn oder Elektrotechnik wirken bis heute nach und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Meistens nehmen wir sie gar nicht mal mehr bewusst wahr – sie sind einfach da!

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Die Dampfmaschine unseres Zeitalters: das Smartphone

Ähnlich geht es zumindest mir mit den einstigen Innovationen der Digitalisierung (zur Erinnerung: ich meine damit immer kleinere Computer, die permanent online und untereinander vernetzt sind und dabei auch noch Daten generieren.) Fühlen Sie sich nicht auch irgendwie seltsam, wenn Sie Ihr Haus ohne Handy verlassen? Als hätten Sie den Herd angelassen? Oder die Autoschlüssel vergessen?

Was also tun mit dieser Digitalisierung, die ja ganz offensichtlich nicht mehr weggeht?

  • Jede Neuerung freudig und kritiklos begrüßen?
  • Konsequent jede Innovation als überflüssig abkanzeln?
  • Sich entspannt zurücklehnen und davon ausgehen, dass das eigene Unternehmen, die eigene Apotheke, schon verschont bleiben wird?

Alle 3 Handlungsoptionen sind natürlich in dieser Absolutheit auf keinen Fall empfehlenswert. Ganz im Gegenteil, viele digitale Innovation sind derart disruptiv, dass sie etablierte Marktteilnehmer marginalisieren oder komplett verdrängen. Also ist es zwingend geboten, sich mit ihnen auseinandersetzen. Und für jede Neuerung muss man selbst den Nutzen für die eigene Apotheke bewerten: bei einer Dorf-Apotheke – der klassische Standortversorger mit einer Stammkundenquote von 90% aufwärts – wird vermutlich eine Investition in Beacons wenig Sinn machen, um neue Kunden in die Apotheke zu lotsen. Anders kann das aber bei Bahnhofs- oder Flughafen-Apotheken sein, die überwiegend von Laufkundschaft leben. Denn – hier spreche ich aus eigener Erfahrung, da ich viel mit dem Zug und dem Flugzeug beruflich unterwegs bin – der Laufkunde als solcher schaut an Bahnhöfen und Flughäfen gerne und viel auf sein Smartphone. Und ist es nicht gerade an Flughäfen sehr hilfreich, wenn man in all der Hektik vom Smartphone bequem ans gewünschte Ziel geführt wird?

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Potentielle Laufkunden am Flughafen

Anhand des Beispiels im letzten Absatz habe ich schon zwei wesentliche Merkmale der meisten digitalen Geschäftsmodelle gelistet: Kundenorientierung („bequem“) und Prozessoptimierung („ans Ziel führen“). Aber es wäre zu ambitioniert, jetzt direkt ein komplettes digitales Geschäftsmodell für Apotheken entwerfen zu wollen. Ein erster, einfacher Schritt, wäre aber die Einführung von E-Business – dort, wo es Sinn macht.

Unter E-Business versteht man grundsätzlich die Abbildung bestehender Prozesse in elektronischer Form zu Gunsten von Zeit, Qualität und/ oder Kosten. Und hier gibt es sehr viel, was Apotheken heute schon umsetzen – oder umsetzen könnten:

people-3362975_1920In Richtung „Kundenorientierung“ gibt es u.a. die folgenden Maßnahmen:

  • Online-Shop; dabei ist es egal, ob mit oder ohne Versand; der Kunde – oder neudeutsch: Shopper – kauft nun mal im Internet ein. Wenn Sie nicht dort sind, geben Sie Marktanteile ab. Wenn Sie keinen Versandhandel betreiben wollen, gibt es Apps zur Vorbestellung von Rezepten oder zum Vorbestellen rezeptfreier Artikel, sog. „Click & Collect“, wie es auch Heimwerkermärkte erfolgreich anbieten. Dann sind Sie zumindest auch online, so wie Ihre Kunden.
  • Auftritt auf sozialen Medien. Hier treten Sie in direkten Kontakt mit Ihrer Zielgruppe und können diese gemäß deren individuellen Interessen ansprechen.
  • Empfehlung von therapiebegleitenden Apps. Hierdurch zeigen Sie digitale Kompetenz und unterstützen die Compliance ihrer Patienten.

network-3539313_1920Was die „Prozessoptimierung“ betrifft, so fallen mir u.a. diese Möglichkeiten ein:

  • Kommissionierautomaten: diese laufen zuverlässig und schaffen personelle Ressourcen für wichtigere, nicht automatisierbare Aufgaben.
  • Rezeptmanagement. Bei Apotheken, die ein Altenheim versorgen, ist es üblich, dass in der Apotheke die Dosierung der versorgten Heimbewohner hinterlegt ist. Dadurch lässt sich mit dem Warenwirtschaftssystem die Reichweite der abgegebenen Arzneimittel berechnen und so eine Folgeverordnung rechtzeitig beim Arzt bestellen. Warum bietet man so etwas nicht allen Patienten an? In Verbindung mit einer wie o. erwähnten App zur Einnahmeerinnerung ist das doch ein immenser Service-Vorteil, den man ohne nennenswerten Mehraufwand anbieten kann.
  • Software zur Personalplanung. Wenn man hier einmal feste Parameter wie Mindestbesetzungen hinterlegt hat, nachdem diese mit der Kundenfrequenz aus der Warenwirtschaft abgeglichen wurden, wäre es irrsinnig, hier noch manuell einzugreifen.

Dies waren ein paar Beispiele für E-Business – fallen Ihnen noch weitere ein?

All das gibt es heute schon und wird in vielen Apotheken genutzt. Was davon sinnvoll ist, ist von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich. Aber vielleicht sehen Sie jetzt auch, dass Apotheken in Deutschland schon viel digitaler sind, als sie wirken. Setzen Sie sich bitte mit dem Thema „E-Business“ auch für Ihre Apotheke auseinander, um den Anschluss auf dem Weg in die „digitale Apotheke“ nicht zu verpassen. Sie wird kommen – und mir wäre es lieber, wenn Sie dann dabei wären!