Digitale Transformation

Die Digitalisierung hat uns inzwischen tiefgreifend verändert. Wissen Sie noch, welche App Sie während der Fußball-WM in Deutschland, unserem „Sommermärchen“, am häufigsten benutzt haben? Nein? Ich kann es Ihnen sagen: gar keine – es gab damals nämlich noch keine Smartphones.

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Apps im Jahr 2006? Fehlanzeige …

Noch vor kaum mehr als 10 Jahren war die Welt eine andere. Dann kam im Jahr 2007 das iPhone, das phänotypisch die digitale Transformation deutlich beschleunigt hat. Auf einmal war das Smartphone – der Computer in der Hosentasche – massentauglich. Und heute erlebe ich an Bahnhöfen immer wieder ein Schauspiel, das ich als „Smombie-Slalom“ bezeichne: Smartphone-Nutzer starren, geistig komplett abwesend, in ihr Mobiltelefon, während sie sich in die Schlange vor der Rolltreppe einreihen. Menschen, die es eilig haben, werden dabei ignoriert und es kommt immer wieder zu haarsträubenden Rempeleien, weil die Smartphone-Zombies (= „Smombies“) ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen.

Ein anderes Beispiel, das den gesellschaftlichen Wandel gut beschreibt, ist das Fotografieren (danke an Monika Schneider für diesen Impuls!): früher war Fotografieren noch ein Ereignis von eigener Relevanz. Der Fotograf inszenierte das Objekt und die Umwelt so, wie ein Künstler sein Werk komponiert und zusammenstellt. Heute sind die Konsequenzen für die Alltagskultur dramatisch: was früher etwas Besonderes, ja, eine Ausnahme war, ist inzwischen zum gesamtgesellschaftlichen Leitmotiv avanciert. Wir alle inszenieren unser eigenes Leben über eine pausenlos mitlaufende Bildproduktion. Die ständige Sichtbarkeit des eigenen Lebens, dargestellt wie das eines Superstars, gehört zum selbstverständlichen Lebensgefühl von Millionen. Abgebildeter und Bildproduzent sind dieselbe Person. Wie groß war dagegen die Distanz zwischen Motiv und Bild noch z.B. bei Marilyn Monroe?

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Immer auf Sendung: der neue gesellschaftliche Imperativ

Wie stark sind nun die Unternehmen, die als Arbeitgeber oder Dienstleister, als Lieferant oder Kunde ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sind, von diesem digitalen Wandel in all seinen Ausprägungen betroffen? Wie gehen sie damit um – und welchen Nutzen können sie daraus ziehen?

Beispiel Smartphone: wie kommunizieren Sie in Ihrer Apotheke über das Smartphone mit Ihren Patienten? Vermutlich wenig bis gar nicht – aber machen Sie sich nichts draus, Sie sind in guter Gesellschaft. Aber vielleicht wäre ein erster Schritt ja auch nicht unbedingt schon die direkte Kommunikation mit dem Kunden … man könnte ihm ja auch erst mal „nur“ Gratis-WLAN in der Apotheke zur Verfügung stellen. Die Anmeldung erfolgt mit Mailadresse – die er Ihnen damit zur Verfügung stellt. Binnen kurzer Zeit bekommen Sie so eine große Menge verwertbarer E-Mail-Adressen von Menschen mit hoher Online-Affinität. Und wie wir diese dann in einem zweiten Schritt persönlich ansprechen ist nichts anderes, als einen Serienbrief zu erstellen– nur eben nicht auf Papier sondern per Mail (oder Push-Nachricht oder WhatsApp usw.)

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Hotspot in der Apotheke – ein Impuls aus dem Vortrag von Thomas Bellartz (apotheke-adhoc) beim Kooperationsgipfel 2018

Das kostenlose Zurverfügungstellen von WLAN nutzen viele Cafés und Restaurants, wie z.B. Starbucks, um Touristen „anzulocken“ – wenn die dann erst mal mit ihrem Smartphone online sind, werden sie schon einen Kaffee bestellen. Im Endeffekt ist das nichts anderes, als die Leckerbissen für Hunde, die viele Apotheken, die ich kenne, im Handverkauf bereit halten: Ziel ist dabei (natürlich), dass der Hund sein Frauchen oder Herrchen in die Apotheke „zieht“ – alles weitere wird sich auch dann schon ergeben. Sie sehen also, wie einfach man bewährte Anreizsysteme zum Anlocken von Kundschaft auch digital transformieren kann!

Auf was es Kunden/ Patienten … oder Fans? … sonst (vermutlich) noch ankommt schauen wir uns als nächstes an …